Von einem Leitfaden erwartet man sich normalerweise Hilfe, und die wollen wir Ihnen auch bieten. Das Problem, für das wir Hilfe bieten, besteht in den extrem unangenehmen Typen, die sich seit einiger Zeit wie von Zauberhand vermehren und sich überall breitmachen, im persönlichen Umfeld, im Fernsehen, im Internet. Diese Typen sind nicht einfach das subjektive Problem dieses oder jenes Menschen, der sich von ihren Äußerungen gestört fühlt oder mit ihren Ansichten nicht übereinstimmt. Sie sind auch nicht nur extrem unangenehm, sondern stellen eine Bedrohung für die gesamte Gesellschaft dar, und für einige von uns sind sie eine sehr konkrete Bedrohung für Leib und Leben.

Wenn wir von einem Problem sprechen, müssen wir es genauer definieren – nicht eingrenzen, denn wir ziehen die Grenzen verhältnismäßig weit und wir sind der Ansicht, dass Rechte keine scharf eingrenzbare Gruppe sind. Wer sind diese „extrem unangenehmen“ Typen, die Rechten also? Da sind zum einen gewaltbereite Neonazis. Da sind zum anderen „Neurechte Theoretiker“ wie Götz Kubitschek oder einige führende Personen der AfD. Da sind zum anderen Menschen, denen man im Alltag begegnet, die man als freundliche Nachbarn kennt, mit denen man hin und wieder ein paar Sätze Small Talk austauscht, und die sich dann auf einmal in einem längeren Gespräch als Rechte erweisen. Da sind Menschen, die man als friedens- und umweltbewegt kennt, und die auf einmal von der „Ostküste“ sprechen und zwar nicht im geographischen Sinn. Da sind Menschen, die sich selbst als links definieren, vielleicht sogar die Partei Die Linke wählen, und auf einmal darüber nachdenken, ob Hermann (nicht Arminius) ein Vorfahr der Deutschen war. Da sind Menschen, die die wissenschaftliche Einführung zu einem NS-Film geben, der ohne solche Einführung nicht gezeigt werden darf, und die ausgiebiger über die Leiden deutsche Volksgenossinnen als über die Leiden der vom NS-System verfolgten Frauen sprechen.

Wir definieren rechts über Überzeugungen, also nicht über eine bestimmte Art der Rede. Diese angeblich rechte Art der Rede ist nicht spezifisch rechts, sondern wird von vielen Menschen verwendet, die merken, dass sie argumentativ nicht mehr weiter kommen. Wir definieren rechts auch nicht über Personen, auch wenn es Personen gibt, die praktisch alle typisch rechten Positionen teilen, so dass diese Positionen sich gegenseitig stützen und zu einem geschlossenen Weltbild vernetzen, das gegen alle Kritik von außen abgedichtet ist. Wir definieren Rechts über Inhalte – erst einmal die üblichen: rechts heißt antisemitisch, rassistisch, antifeministisch, nationalistisch/völkisch, und wenn man ein wenig länger zuhört, wird in aller Regel auch ein Geschichtsverständnis deutlich, das der Erkenntnis der deutschen Verbrechen des 20. Jahrhunderts auszuweichen versucht. Rechtes Denken ist nicht eine Reaktion auf Talkshows und Internet, sondern besitzt eine Tradition, die deutlich älter ist als Talkshows und Internet. Allerhöchstens der Diskurs reagiert auf Talkshows.

Rechtes Denken ist ein Problem. Rechtes Reden und rechtes Handeln sind noch größere Probleme. Warum das so ist, ist nicht erklärungsbedürftig. Es handelt sich nicht um Kommunikationsprobleme oder Beziehungsprobleme, die wir, die Nicht-Rechten, und die Rechten gemeinsam durch bessere Arten des Redens lösen können. Rechtes Denken, Reden und Handeln stellt ein grundsätzliches Problem dar.

Wir können keine Patentrezepte anbieten – wenn es solche Rezepte gäbe, wäre das Problem längst gelöst. Wir können aber sagen, was nicht funktioniert: Mit Rechten reden, jedenfalls mit denen, deren Weltbild bereits geschlossen ist. Das ist nun beinahe eine tautologische Aussage. Entscheidend wäre also, zu erkennen, ob ein geschlossenes Weltbild vorliegt oder nicht, und wie man auf Rechte reagiert, wenn man ihnen nicht ganz aus dem Weg gehen kann, und wie man nicht verrückt wird, wenn sie eine Diskussion beginnen.

Wir bieten also eine Alternative zu „Mit Rechten Reden“ – aber wir möchten uns auch mittelfristig von der Auseinandersetzung mit diesem Buch lösen, da es eine lange Auseinandersetzung nicht lohnt.

 

 

 

 

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