Für die „Neue Rechte“ gilt der Bezug auf den Nationalsozialismus und die NSDAP als verbrannt. Gerade deswegen werden neue Bezüge als historische Sehnsuchtsorte konstruiert, deren Deutung nationalistisch, aber auch historisch mehrschichtig zu sein haben. Dies ist zB. Preussen als Staat an und für sich, aber auch die Potsdamer Garnisonskirche.

Dazu ein Text von Matthias Grünzig:  „Sehnsuchtsort der Neuen Rechten: Die Potsdamer Garnisonkirche“

Diese Unterordnung sollte bis zum Ende des Kaiserreiches Bestand haben. In der Garnisonkirche predigten handverlesene Hofprediger den bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Kaiser, den Kampf bis zum letzten Blutstropfen, den Hass auf andere Völker, vor allem auf die Franzosen. Eine wachsende Rolle spielte die Diffamierung von demokratischen, liberalen und sozialdemokratischen Kräften, die als Mörder, Brandstifter und Diebe verunglimpft wurden. Zudem diente die Garnisonkirche als eine Ruhmeshalle der preußischen und deutschen Armee. Hier wurden die in den Krieg ziehenden Regimenter gesegnet, hier wurde während des Krieges für den Sieg gebetet, und nach gewonnenen Schlachten fanden hier Siegesfeiern statt. Kurzum: Die Garnisonkirche war ein Identifikationsort des rechten Lagers. …

Sie avancierte gar zum Symbolbau der extremen Rechten schlechthin. Die Kirche übte eine geradezu magnetische Anziehungskraft auf Nationalisten, Militaristen und Antisemiten aller Couleur aus. Diese Attraktivität resultierte schon allein daraus, dass sie ein monumentales Gebäude war, in dem man öffentlichkeitswirksam Machtansprüche anmelden konnte. …

Die Rechtsextremisten setzten dem den „Geist von Potsdam“ entgegen. Dieser beruhte auf einer Idealisierung Preußens während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II., also von 1713 bis 1786. Er stand für eine autoritäre Herrschaft, für ein starkes Militär und für kriegerische Eroberungen. Die Garnisonkirche galt als Tempel dieses „Geistes von Potsdam“. Wie kaum ein anderes Gebäude in Deutschland wurde sie deshalb von Rechtsextremisten verehrt und entwickelte sich zu einer Wallfahrtsstätte für rechtsextreme Organisationen. Dort versammelten sich die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), der „Stahlhelm“-Bund der Frontsoldaten, der Reichskriegerbund „Kyffhäuser“ oder der Alldeutsche Verband. Und ebendort fand am 24. November 1919 eine symbolträchtige Gegenveranstaltung zur Gründung der Weimarer Republik statt. Organisiert wurde sie von der DNVP, als Hauptredner trat Erich Ludendorff auf. Der Weltkriegsgeneral rechnete nicht nur mit der jungen Republik ab, er entwickelte auch eine Zukunftsvision, die auf die Errichtung einer Militärdiktatur hinauslief.

Es ist eines der wichtigsten und zugleich umstrittensten deutschen Bauprojekte der jüngeren Geschichte: der Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam. Schon 2013 bezeichnete der Bundesbeauftragt

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: