Mein Beitrag über Michael Klonovsky hat ihn offenbar getroffen. Das ist die gute Nachricht. Er reagierte mit einer antisemitischen Beleidigung. Das ist die zweite gute Nachricht. Denn es ist immer schön zu sehen, wie sich die Einpeitscher des Mobs, die sich als feine Herren gerieren, letzten Endes selbst die Maske vom Gesicht reißen, weil es doch raus muss aus ihnen.

Natürlich geht Klonovsky nicht auf meine Argumente ein. Stattdessen benennt er einen Fehler im Text, den ich tatsächlich bedaure, nämlich dass ich behauptet habe, Klonovsky habe Denis Yücel als „Pisstürken“ verleumdet. Tatsächlich hat er ihn als „Pissdeutschen“ verleumdet.

Pissdeutscher und Pisstürke

Warum die eine Bezeichnung weniger beleidigend sein soll als die andere, entzieht sich meinem Verständnis. Vielleicht meint Klonovsky, die Bezeichnung „Türke“ sei an sich beleidigend, die Bezeichnung Deutscher“ weniger. Ich habe selbst zur Erklärung meines Übertragungsfehlers eine Freud’sche Fehlleistung meines inneren Rassisten vermutet, der sich weigerte, das Wort „Pisse“ in Beziehung  zu „Deutscher“ zu setzen, hingegen bei „Türke“ die Sache durchgehen ließ.

Wie auch immer: Klonovsky fühlt sich beleidigt, weil sein geistreiches Wortspiel „Passdeutscher“ – „Pissdeutscher“ durch meine Fehlleistung unterschlagen wurde. Nun, wer so etwas geistreich findet, der bricht eigentlich den Stab über sich selbst. Abgesehen davon ist die Bezeichnung „Passdeutscher“ natürlich eine Ungeheuerlichkeit, weil sie unterstellt, der Türke Yücel könne kein echter Deutscher sein, allenfalls Piss-, ähm Passdeutscher. Das ist Rassismus pur.

Posener und Gollum

Und nun zu Posener, den er „Gollum“ nennt. Gollum ist eine Gestalt aus J.R. Tolkiens „Herr der Ringe“ (was wiederum eine Kopie des „Rings der Nibelungen“ des Antisemiten Richard Wagner ist), in der viele Interpreten eine antisemitische Judenkarikatur erblicken.

Übrigens: Als der türkische Arzt Bilgin Çiftçi (wir kommen immer wieder auf die Türkei zurück, nicht?) den damaligen Premierminister und heutigen Präsidenten Erdogan mit Gollum verglich, wollte Erdogan ihn sogar ins Gefängnis werfen lassen, aber Bilgin Çiftçi wurde 2017 in letzter Instanz freigesprochen. Bravo. Es gibt selbst in der Türkei noch Richter

Klonovsky und Himmler

Nun aber zu Klonowskys Blogeintrag vom 24. Februar: „Eine Randbemerkung: Sollte sich tatsächlich ein Leser zuerst auf Gollums Seite und dann zu mir verirren, mein Original-Text zu Yüzel – von wegen ich hätte ihn „Pisstürke“ genannt – steht hier. Wer sich über Satire verbreitet, sollte nicht figieren, sie dort nicht zu erkennen, wo der Autor sie sogar explizit ankündigt. Aber, wie bei Springer gejuxt wird, man kann wohl nicht jahrzehntelang Posener heißen und dabei anständig geblieben sein.“ (Meine Hervorhebung – Gollum)

Nun, wer bei Springer so „juxt“, weiß ich nicht. Klonovsky, wie es bei Feiglingen üblich ist, nennt keine Namen. Ich vermute stark, dass er nur Misstrauen säen will in jener Truppe, die er als „trendige Selbsthilfegruppe für betreutes Schreiben“ bezeichnet. (Wo er Recht hat, da hat der M.K: Recht: Die Welt ist „trendig“.)  Wer freilich die Bemerkung zustimmend wiederholt, macht sich mit ihr gemein.

Und gemein ist richtig. Bekanntlich spielt Klonovsky auf die berüchtigte „Posener Rede“ des Reichsführers SS Heinrich Himmler an. Der (Himmler, nicht Klonovsky) sagte am 4. Oktober 1943 vor SS-Leuten:

„Ich will hier vor Ihnen in aller Offenheit auch ein ganz schweres Kapitel erwähnen. Unter uns soll es einmal ganz offen ausgesprochen sein, und trotzdem werden wir in der Öffentlichkeit nie darüber reden. (…) Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes. Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – „Das jüdische Volk wird ausgerottet“, sagt ein jeder Parteigenosse, „ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.“ Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude. Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte, (…) Insgesamt aber können wir sagen, dass wir diese schwerste Aufgabe in Liebe zu unserem Volk erfüllt haben. Und wir haben keinen Schaden in unserem Inneren, in unserer Seele, in unserem Charakter daran genommen.“

Ja, ja, hier „juxt“ der feinsinnige Schriftsteller und AfD-Stichwortgeber. Eine solche Anspielung findet er lustig. Geistreich vielleicht. Er glaubt, dabei keinen Schaden in seinem Inneren, in seiner Seele, in seinem Charakter genommen zu haben. Und das mag sogar stimmen. Da war nichts zu beschädigen, Lump bleibt Lump.

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