Einige Anmerkungen zu Ulrich Greiner:

http://www.zeit.de/2018/13/uwe-tellkamp-rechtspopulismus-durs-gruenbein-dresden

Rechts = Böse

„Rechts“ ist in Deutschland mit dem Nationalsozialismus verknüpft, und dass der Nationalsozialismus böse war, sollte niemandem erklärt werden müssen. Manchmal gibt es feine Abstufungen, etwa zwischen Menschen, die sich offen positiv auf den Nationalsozialismus beziehen (Alt- und Neonazis) und solchen, die jede positive Bezugnahme vermeiden (Neue Rechte), sondern sich stattdessen andere Bezugsgrößen suchen, etwa die sogenannte Konservative Revolution oder den italienischen Faschismus. Wenn man sich die Entwicklung der AfD anschaut, sollte klar sein, dass diese Trennlinie künstlich ist: das Bedürfnis, die eigene nationale, vielleicht auch familiäre Vergangenheit zu rehabilitieren, ist weiterhin sehr groß.

Das Problem bei der Verknüpfung von „rechts“ mit dem „Nationalsozialismus besteht darin, dass auf inhaltliche Bestimmungen verzichtet wird. Dass es böse ist, mehrere Millionen Menschen umzubringen und einen Weltkrieg anzufangen, sollte jedem klar sein. Verzichtet wird aber darauf, die Grundelemente der Ideologie offen zu legen: Rassismus und Antisemitismus, Antiliberalismus und Antiindividualismus, Verachtung der Demokratie, Ablehnung des Gedankens der Gleichheit. Es wird außerdem versäumt, zu erklären, dass alle diese Einstellungen an und für sich schon problematisch sind, nicht weil sie zum millionenfachen Morden der Nazis geführt haben. Nur weil jemand keine Menschen umbringt, heißt es nicht, dass sein Rassismus oder Antisemitismus noch akzeptabel sei.

Also, ja: Rechts heißt böse, und jemanden in die rechte Ecke zu stellen, heißt, zu sagen: Er ist böse. Insofern ist der Vorwurf, rechts zu sein, ein sehr schwerer. Aber das heißt nicht, dass derjenige, der versucht, den anderen „in die rechte Ecke zu schieben“ automatisch gewinnt. Er gewinnt nur, wenn es ihm gelingt, andere Menschen davon zu überzeugen, dass der Vorwurf, „rechts“ zu sein, zutrifft. Derjenige, dem der Vorwurf gemacht hat, kann versuchen, andere davon zu überzeugen, dass er nicht rechts ist.

Tellkamp hat Unwahrheiten über Menschen gesagt, die nach Deutschland einwandern. Er hat Lügen verbreitet, um anderen Menschen zu schaden. Dies gilt normalerweise als böse. Wer sich so verhält, muss damit leben, dass er als rechts, also böse bezeichnet wird. Jetzt herumzujammern, ist ein Versuch, sich als Opfer darzustellen.

Asymmetrie?

Konservative klagen gerne über das, was ihnen als Asymmetrie erscheint: Rechte würden schärfer kritisiert als Linke.

Die Asymmetrie verschwindet, wenn man sich die Ziele des jeweiligen rechten oder linken Theorien betrachtet: Ziel linken Denkens und linker Politik ist eine Welt, in der alle Menschen als Freie und Gleiche leben können. Das Ziel rechten Denkens ist eine hierarchisch geordnete Welt, aus der diejenigen, die diese Ordnung stören (Juden vor allem), ausgeschlossen sind – im Nationalsozialismus, indem sie ermordet wurden. Indem man diese unterschiedlichen Zielsetzungen vergleicht, nicht indem man Mordopfer zählt, gelangt man zu einer unterschiedlichen moralischen Bewertung.

Nicht mehr als Diskurspartner ernst genommen werden

Mittlerweile hat sich anscheinend herumgesprochen, dass Redefreiheit nicht bedeutet, dass einem nicht widersprochen wird. Stattdessen beklagt man sich über anderes: über „Ächtung“, wie Monika Maron es tut, oder darüber, als Diskurspartner nicht mehr ernst genommen zu werden. So sei es beispielsweise Sarrazin passiert, trotz Millionenauflage.

Aber wenn jemand als Diskurspartner ernst genommen werden will, muss er sich auch entsprechend klug äußern. Das haben weder Sarrazin noch Tellkamp getan. (Sowohl Sarrazin als auch Tellkamp wurden übrigens auf der sachlichen Ebene widerlegt, sie wurden also ernst genommen. Dass sie auf ihren Aussagen beharren und immer noch ernst genommen werden wollen, erscheint da etwas seltsam.)

(An dieser Stelle gerät übrigens Ulrich Greiner in die Nähe einer Lüge, hoffentlich nur aus Unwissenheit: Er tut so, als seien die Aussagen von Sarrazin oder Tellkamp nicht geprüft worden.)

Volk

Ulrich Greiner spricht von der Selbstverständlichkeit, dass es ein Volk gibt. Er ist da nicht auf dem neuesten Stand: Die Nationalismusforschung geht davon aus, dass Völker konstruiert („imagined communities“) sind.

Sandkiste

Nicht Rechte und Linke sitzen in der Sandkiste. Die Rechten sitzen in der Sandkiste, erklären ihren Sandkuchen zu echtem Kuchen und beschweren sich, dass niemand ihn essen will.

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