Sehr guter und witzig geschriebener Artikel des Philsosophischen Arbeitskreises Berlin: MoMo:

… Dieser angebliche Zerstörungsakt (wobei nicht zu bezweifeln ist, dass in diesen Weltkriegen eine ungeheure Zerstörung angerichtet wurde; wohl aber waren die gesellschaftlichen Konsequenzen keine Zerstörung, sondern schlicht ein weiterer Schritt gesellschaftlicher Entwicklung) brachte nun angeblich Menschen hervor, die „entsubstanzialisiert“ seien, also quasi entkernt, und deren „ontologische Verschiedenheit“ von den Ideologen des bösen Neuen hartnäckig geleugnet würde. Fragt man nun aber nach, was denn diese vorgebliche Aushöhlung des heutigen westlichen Menschen ausmache, dass man ihn gleich zur Hülse degradieren und alle zusammen nur noch als Masse bezeichnen könne? – so lautet die Antwort, dass es, nun ja… die Antwortenden drücken sich hier regelmäßig um die Klarheit ihrer Position herum, weil sie sich deren Anstößigkeit bewusst sind. Aber sprechen wir ruhig aus, was sie selbst aussprechen, wenn man nur beharrlich genug nachfragt: Sie betrachten als „Substanz“ des Menschen vor allem dies: seine Nationalität, sein Geschlecht, seine Rasse und seine Religionszugehörigkeit. Sie wollen den Menschen also auf etwas festnageln, ohne das er nichts als ein Teigtropfen der Konsumentenmasse sei. Und wenn diese angebliche Masse auch noch auf Politiker trifft, die ebenfalls angeblich nichts anderes als deren endgültige Entmündigung im Sinn haben (so nämlich lautet der Vorwurf der neuen Rechten gegen den gegenwärtigen politischen Mainstream in Deutschland), dann sei der lamentable Untergang der gesamten deutschen/europäischen/westlichen etc. Kultur gänzlich unvermeidbar. So also lautet der Kampfruf, der dann letztlich und ganz krude bei den prügelnden Demonstranten auf den Straßen und bei in Flüchtlingsheimen zündelnden Kriminellen ankommt: Steht auf, ihr angeblich entrechtete Massen, befreit euch von eurer Entmündigung und verschafft den „hohen“ Werten wieder ihre alte Macht, als das wären: treudeutscher Sittlichkeit (*lach!*), strammer Nationalismus (intellektuell ungefähr so anziehend wie Mundgeruch beim Küssen), dem biologischen Geschlecht („einfach krank, diese Schwulen“) und der richtigen Religion (heißt: Jesus ist mein Liebster; wer das bezweifelt, hat nicht alle Tassen im Schrank). Als Bonus für Neurechts-Bekehrte gibt es dann noch einen Nachschlag in Rassismus und Eugenik, damit der „weiße Mann“ (von Frauen ist da seltener die Rede) nicht ganz verkümmert. Alle diese Begriffe behandeln wir im Heute Lebenden längst als museales Begriffsinventar unserer Großeltern.

Woher aber kommt diese Auferstehung der Untoten nach so vielen Jahren erfolgreicher Emanzipation von ideologischer Narretei?

Link: Das Menschenbild der neuen intellektuellen Rechten 

 

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